Chronik der Rhönmusikanten Waldberg

 

1823: 140 Jahre nachdem Waldberg gegründet wurde.  

Damals ernährten sich die Menschen in unserem Dorf durch ihrer Hände Arbeit. Karge und steinige Böden versprachen keinen schnellen Reichtum. Aber es müssen Menschen gewesen sein, die trotz  ihrer beschwerlichen Arbeit Freude am Singen und Musizieren fanden. Die musische Veranlagung wurde von der Landschaft und den gegebenen Lebensverhältnissen mitgeprägt. Natürlich, frei, arm, mehr dem Gefühl und dem Empfinden als dem Verstand und Willen gehorchend, in dörflicher Gemeinschaft geborgen, erwuchs bei guter Veranlagung seelisch wie körperlich die Liebe und Freude zu Gesang und Musik. Viel Musikalität liegt dem Rhöner im Blut. Volkslieder mit gutem Gehör und Kraft in der Stimme, mit Rhythmus und etwas im Dialekt vorgetragen, offenbaren viel von unserem Wesen.  

 

Am 18. März 1823 gründete der Lehrer Franz Xaver Ziegler mit Unterstützung der Gemeinde Waldberg einen Musikantenchor mit 21 Mitgliedern. Was auch für diese Zeit typisch deutsch, somit auch beachtlich war, es wurde ein Vertrag zwischen den Musikanten und der Gemeinde vereinbart. Vorrangig waren die kirchlichen Veranstaltungen.   

 

Ein kurzer Auszug aus dem Vertrag:

„Sollte ein musikalisches Mitglied mit dem Tode abgehen, so ist das sämtliche Musikantenchor hiermit verpflichtet, den Leichnam des abgelebten Mitgliedes unentgeltlich in das Grab zu spielen, wo jedoch nach dem Begräbnis von den Eltern oder Freunden des Verstorbenen 1 Maß Branntwein und 1 Laib Kornbrot in das Musikantenchor zu verabfolgen ist.“

Somit lagen Freude und Trauer eng beieinander. Es ist auch überliefert, dass mancher Musikant nach einer Beerdigung nicht mehr trockenen Fußes nach Hause kam.

 

In den Anfangsjahren des 20. Jahrhundert wurde die Kapelle von den Waldbergern Johann Kleinhenz, genannt der Blaus, ein vorzüglicher Geiger und von Kaspar Kessler, genannt der Maichels Kasper musikalisch geleitet. Beide spielten in Bamberg, Zweibrücken und Metz in Regimentskapellen. In Maichels Kasper, fand die Musikkapelle Waldberg bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts einen hochmusikalischen Meister. 25 Jahre lang von 1910 bis 1935 übte er als Dorfmusikmeister großen Einfluss auf das musikalische Geschehen in Waldberg und Umgebung aus.

Er war bekannt als strenger Lehrmeister, der auch Musikstücke komponierte, und diese auf reine Blechmusik umschrieb. Einige Stücke werden heute noch im Bayerischen Rundfunk gesendet, wie z.B. der Schottisch aus Waldberg.  

 

Kapelle um 1920

 

Es wurde sehr viel geprobt, meistens bei ihm zu Hause und überwiegend in den Wintermonaten. Unter seiner Führung gelangte die Blechmusik zu neuer Blüte.

Nachwuchsmusiker seiner Schule sind u.a. Franz Arnold, Franz Weisenseel, Franz Hillenbrand, Ludwig Kessler, Kaspar, Philipp und Josef Hillenbrand, Ludwig, Leo und Edwin Hillenbrand, Heinrich Arnold, Erhard Söder, Johann Krebs.  

Der Maichels Kaspar lernte auch eine Blaskappelle in Schmalwasser an und Musiker aus Sandberg, Langenleiten, Gefäll und Premich verdanken ihm ihr Können.  

 

Es darf nicht unerwähnt bleiben und es ist kennzeichnend für die Musizierfreudigkeit des Dorfes mit 450 Einwohnern, dass von 1906 – 1928 eine zweite Kapelle, die „Bühnerkapelle“, wirkte. Ihr Dirigent war Franz Bühner, ein begabter Musiker und Lehrmeister, der zu den Großen in der Geschichte der Blasmusik in Waldberg zählt. Lorenz Söder, Kornelius Ziegler, Johann und Heinrich Bühner, Franz Bühner II., Eduard und Rudolf Bühner wurden von ihm ausgebildet.

 

Waldberg war Pflegestätte edler Volks- und Unterhaltungsmusik und über den heimatlichen Raum hinaus bekannt.

Die Kapellen übernahmen Jahrzehnte lang die musikalische Ausgestaltung kirchlicher und weltlicher Feste und Feiern. Nicht selten spielen „Waldberger Musikanten“ an Fastnacht und Kirchweih in Sandberg, Schmalwasser, Burgwallbach, Niederlauer und sogar im Fuldaer Raum.  

 

Vor dem ersten Weltkrieg erhielt jedes Mitglied im Jahr 10,- Reichsmark „Spielgeld“ für Kirchenmusik. Ein „Bool“ (Tanzabend) brachte 3,- Reichsmark. Mehr „kam heraus“, wenn gesammelt wurde. Nach 3 Touren mussten die Tänzer 10 Pf. beim Kapellenmeister abliefern; bei Damenwahl konnten „der Gerechtigkeit halber“ 20 Pf.  kassiert werden.  

 

Während des ersten Weltkriegs beschränkten sich ältere Musikanten auf die Erhaltung der Kirchenmusik.  

 

Neuen Aufschwung erlebte die Blasmusik nach dem Kriege. Jugendmusiker beider Kapellen gingen als „reisende Musiker“ wochenlang im Herbst und nach Weihnachten auf die „Walz“ in die Dörfer der Landkreise Bad Neustadt, Bad Kissingen, Königshofen, Mellrichstadt, Hammelburg, Lohr, Schweinfurt und Aschaffenburg. Ein Mitglied berichtete: „Wir Musikanten zogen mit einem Marsch durchs Dorf, manchmal gaben wir Standkonzerte. Groß war die Freude und Begeisterung. Nach dem „Spielen“ wurde gesammelt.  


Von 1936 – 1942 übernahm Heinrich Arnold die Führung der Kapelle. Mit Beginn des zweiten Weltkrieges ließ das musikalische Wirken in der Gemeinde nach. Viele Musiker, darunter junge Talente, zogen in den Krieg und mancher von ihnen kehrte nicht mehr zurück. Mitunter geleiten nur noch fünf Seniorenmusiker die Bittprozession und Wallgänge.


Nach 1945 erklärten sich die verdienten Altmusiker Heinrich Johann Krebs und der Klarinettist Ludwig Kessler bereit, die Blaskapelle neu aufzubauen. Mit Tatkraft und Energie gingen sie ans Werk. Es gelang ihnen in schwerer Nachkriegszeit mit Unterstützung der erfahrenen Musiker Ludwig Hillenbrand, Erhard Söder und Rudolf  Bühner, den Eltern und der Gemeinde in verhältnismäßig kurzer Zeit eine Schar von Jungmusikern zu begeistern und auszubilden. Alfons und Oswald Arnold, Anton Metz, Eugen Ziegler, Wilhelm Krebs, Ottmar, Siegfried und Eduard Bühner, Otto Weisenseel, Ludwig Seufert, Emil Hacker verhalfen der Kapelle zu neuem Glanz.

Leider verlor die Kapelle in den späteren Nachkriegsjahren durch Auswanderung nach Amerika, Heirat und Wegzug sehr gute Kräfte. 1961 verunglückte zudem ihr Bassist Alfons Arnold tödlich. Im gleichen Jahr musste Heinrich Johann Krebs aus Altersgründen den Taktstock aus der Hand geben.  

 

Ein großes Glück war, dass der Sohn des Seniorenmusikers „Kirsche Erhard“ Simon, die sieben Bläser der bestehenden Kapelle übernahm. Simon Söder, ein junger, enthusiastischer, temperamentvoller Musiker, besuchte nach der musikalischen Grundausbildung bei seinem Vater von 1949 bis 1951 die Kirchenmusikschule in Münnerstadt. Er versieht auch seit dieser Zeit den Organistendienst in unserer Kirche.   

 

Rhönmusikanten 1960 er

 

Im Jahre 1961 begann er aus den wenigen Musikern eine Kapelle aufzubauen. Mit viel Ehrgeiz und Fleiß bildete er 13 Jugendliche aus Waldberg aus. In sehr vielen Einzel- und Gesamtproben wurden die jugendlichen Musiker in die Konzert- und Unterhaltungsmusik unterwiesen. Mit den Erfolgen wuchs die Begeisterung und Liebe zur Musik mit ihren bildenden Werten.

 

Palmsonntag 1962 erster Auftritt der Rhönmusikanten unter Simon Söder

 

1963 Fronleichnam zeigten sich die Rhönmusikanten in neuer Tracht

 

1963 Zirndorf Bezirksmusikfest

 

1964 Wertungsspiel mit 20 Musikern in Bergrheinfeld

 

In den folgenden Jahren wurde in der ganzen Region auf Festen mit großem Erfolg musiziert

 

1969 wurde mit großem Erfolg das Kreismusikfest in Waldberg gefeiert.  

 

Danach wurde die Kapelle auch gesanglich unterstützt von Theo Kirchner und Gertrud Wehner aus Stangenroth. Diese Auftritte waren musikalische Höhepunkte in der Geschichte der Rhönmusikanten.  

 

1974 wurde uns in Hof die Promusika Plakette des Nordbayerischen Musikbundes verliehen, sowie die Goldmedaille  am blau-weißen Band.

 

1983 wurde Simon Söder zum Dorfmusikmeister ernannt.

 

Rhönmusikanten 1983

 

Von Oktober 2006 bis Mai 2017 war Armin Enders Dirigent der Kapelle.


Seit Juni 2017 ist Markus Arnold der musikalische Leiter der Rhönmusikanten Waldberg.

 

Kapelle 2014

 

 

 

 

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